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Am Ende sitzt man trotzdem z’samm.

Geschrieben am 20. April 2017

Entweder – oder. Beides geht nicht.

Im Zentrum der Ortschaft Leitersbrugg stehen zwei Wirtshäuser, der Kirchenwirt und der Gasthof zur Lerche. Beide laden zum Einkehren ein, verköstigen mit bester Hausmannskost und das Bier erfrischt da so gut wie dort. Die Wirtshausfamilien sind aber seit Generationen zerstritten. Den Grund dafür weiß keiner mehr so genau, doch zum Streiten gibt’s immer was. Auch die Dorfbevölkerung bleibt von dem Krach nicht verschont. Entweder, man geht zum Kirchenwirt oder zur Lerche, beides geht nicht. Das trifft vor allem die jüngere Generation hart, die von diesem Streit nichts mehr wissen will – feiern lässt es sich schließlich an beiden Orten gut.

Einer, der sich seit Wochen mit dem Thema beschäftigt ist Kevin. Der junge Tischler will seinen 18. Geburtstag feiern, und das mit all seinen Freunden und seiner gesamten Verwandtschaft. Doch wie soll das funktionieren, wenn er sich für keines der beiden Wirtshäuser entscheiden kann? Zehn Leute wollen nicht zum Kirchenwirt, zehn andere nicht zur Lerche. „Schlimmer wär nur, wenn noch a drittes Wirtshaus da stehen würd! I wer’ narrisch, wenn diese Zickerei so weiter geht!“ Kevin spielt bereits mit dem Gedanken, seinen Geburtstag abzublasen.

„Könnt ihr nicht einfach Schluss machen mit dem Blödsinn?“

Auch in der Tischlerei in der Kevin arbeitet, arbeiten sowohl Anhänger vom Kirchenwirt als auch vom Gasthaus zur Lerche. Beim Mittagessen teilen sich die Kollegen auf die zwei Gasthäuser auf – nur Kevin wechselt je nach Wochentag zwischen Kirchenwirt und Lerche.

„Könnt ihr nicht einfach Schluss machen mit dem Blödsinn?“, appelliert der Bursche an seine Kollegen. Irgendwann wird es Kevin zu blöd und er setzt sich zum Mittagessen vor die Tischlerei auf eine Bank. Als er da so sitzt und sich die beiden Wirtshäuser ansieht, kommt ihm die zündende Idee. Gemeinsam mit seinen Freunden macht Kevin sich an die Umsetzung seines Plans. Eine ganze Woche herrscht auch am Abend reges Treiben in der Tischlerei, in der Kevin mit ein paar Kollegen Überstunden macht. Um die Einladungen kümmert er sich persönlich: Für die Hälfte seiner Gäste hat er im Gastgarten des Kirchenwirts reserviert und für die anderen im Gasthaus zur Lerche. In der Nacht vor dem Fest schleichen sich die Burschen in die Gastgärten und treffen die letzten Vorbereitungen.

Am nächsten Tag machen sich die geladenen Gäste auf den Weg zu den Wirtshäusern. Dort angekommen sehen sie, was Kevin ausgeheckt hat. Die Tische in den Gastgärten wurden allesamt weggeräumt. Eine einzige lange Tafel erstreckt sich über die zwei Gastgärten der Wirtshäuser. Alle Gäste – egal welchem Lager sie angehören – müssen an einem Tisch Platz nehmen. Zu Beginn teilen sich die Verwandten noch auf ihre jeweilige Wirtshausseite auf, doch schon bald erkennen sie, wie unnötig ihr Getue eigentlich ist. „Weiß eigentlich noch einer von euch, wieso ihr zerstritten seid?, fragt Kevin in die Runde. Die Antwort auf seine Frage bekommt er, als er zu späterer Stunde zufrieden in Runde blickt. Seine Gäste sitzen durchgemischt am Tisch und niemand weiß mehr so richtig, wo er ursprünglich gesessen ist.

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Über A Bier und a G’schicht
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