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Der bestfrisierte Stammtisch in Kärnten

Geschrieben am 1. Juni 2017

Ein trauriges Feierabendbier

In einem kleinen, verschlafenen Dorf in Kärnten betreibt Rita einen Frisiersalon. Die Leute aus dem Ort schätzen sie wegen ihrer gutmütigen, ruhigen Art und des guten Preis-Leistungsverhältnisses in ihrem Salon. Diesen führt sie mittlerweile seit einigen Jahren. Von früh bis spät steht sie in dem kleinen Geschäft in der Johannesgasse und hört sich den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Umgebung an. Sie ist die geborene Zuhörerin und kann schweigen wie ein Grab, Geheimnisse sind nirgends so sicher wie bei ihr.

Trotz des tollen Service läuft der Laden seit einigen Jahren nicht mehr so gut. Die sonst so vergnügte Singlefrau hat ihr Lächeln heut mal daheim liegen gelassen. Traurig sitzt Rita am Abend beim Kellerwirten am Dorfplatz und trinkt ihr Feierabendbier. Der Stammtisch bemerkt ihre Laune und versucht sie aufzuheitern, indem sie Rita zu sich an den Tisch holen.

„Geh Rita, sowas kommt vor! Das wird schon wieder mit dem Salon! Nimm’s nicht so schwer, s’bringt jo nix.“

„Ihr habt’s leicht reden, ihr wart ja noch kein einziges Mal bei mir zum Haare schneiden!“

„Ja, wir interessieren uns halt nur für unseren Wirten und’s Bier, das weißt du doch!“

„Wisst ihr eigentlich, wie gut Bier fürs Haar ist?“

Von Haarshampoo über Kuren bis Spülungen und Haarfestiger gibt’s da quasi ois!“ Davon will die Runde mehr wissen. Gespannt hören sie Rita zu, die munter ihr Fachwissen teilt. Die Männer sind erstaunt. Dass Bier ein besonderes Produkt ist wussten sie ja bereits, aber dass es solche Wunderwirkung hat überrascht sie jetzt doch!

Da springt Markus auf einmal auf. „Rita, das ist es!“ Alle Blicke wandern zu dem aufgeregt zappelnden Mann am Tisch. „Aus deinem Frisiersalon wird ein Fribiersalon! Rita! Da kommen die Leute aus allen Dörfern herbei. Sowas gibt’s noch nicht! Du entwickelst deine eigene Kreation an Shampoos, Spülungen und was es da sonst noch so an Schnick Schnack fürs Haar gibt – und dann gibt’s Bier!“ Rita ist erst mal baff. So viel Engagement hätte sie sich vom Stammtisch nicht erwartet. „Sag Heinz, glaubst können wir ne Kooperation starten? Jeder der sich bei mir die Haare schneiden lässt bekommt ein Freibier bei dir? Wir liegen ja eh so nah beinander!“ Der Wirt willigt ein – seinem Geschäft schadet etwas mehr an Kundschaft auf keinen Fall. Erschöpft aber glücklich von so viel verbratenem Hirnschmalz, macht Rita sich auf den Heimweg.

Bereits am nächsten Morgen beginnt sie mit den Vorbereitungen für ihren Fribiersalon. Ein neues Schild muss her! Außerdem wendet sie ihr letztes Erspartes für die Renovierung und die geplante Produktlinie auf. Und die Investitionen zahlen sich aus: Innerhalb eines Monats, als sich die Neuigkeit allerorts verbreitet hat, ist Ritas neuer Fribiersalon ausgebucht. Die Mitglieder des Stammtisches sind bei der großen Eröffnungsfeier im Fribiersalon natürlich auch am Start. Als Dank gibt Rita den Burschen Gutscheine für gratis Haarschnitte auf Lebenszeit. Und auch Wirt Heinz freut sich, wenn die adrett frisierte Stammtischrunde bei ihm am Tisch sitzt.

 

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