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Der Neunkirchner Achter

Geschrieben am 19. September 2016

„So a Oktoberfest braucht hoit a ane Spezialität…“

Der September ist der Lieblingsmonat des Stammtischs beim Wirtshaus in Neunkirchen. Die ärgste Hitze ist vorbei, im Biergarten ist es immer noch gemütlich warm und das Wichtigste: das Oktoberfest steht vor der Tür! Jedes Jahr dreht sich bei ihrem Wirten für einen Monat alles nur um Bier, Lederhosen und gute Stimmung.

Drei Tage vor Beginn des Festes sitzen die Männer vom Stammtisch beieinander und genießen den Abend bei einer Runde Bier. Da stürzt Wirt Reini in den Gastgarten. Aufgelöst eilt er zum Stammtisch. „Burschen, Burschen, i hob a Problem“, sprudelt es aus dem Wirten. „Mein Brezn Lieferant hat mir gerade abgesagt! Drei Tage vorm O’zapfn!“ Verständnisloses Achselzucken am Stammtisch. „Na, wie soll i jetzt mein Oktoberfest abhalten? Jeder weiß, dass es nirgends so gute Brezn gibt wie bei mir. Die Leut’ kommen extra deswegen her!“

Die Männer schweigen ratlos. Bis einer meint:„Sag, Luis. Du hast doch eigentlich Bäcker g’lernt. Könntest du das net übernehmen? Wir helfen dir auch dabei!“ Luis wiegt nachdenklich den Kopf. „Hmmm, des müsst i schon hinkriegen. Brezn hab i no nie g’macht, aber des geht sicher.“ Der Wirt ist begeistert. Dem Oktoberfest steht nichts mehr im Weg!

Der Neunkirchner Achter - Lederhose

Drei Tage später füllt sich das Wirtshaus bereits am frühen Abend. Niemand will verpassen, wie der Wirt mit Weißwürsten und frischen Brezn das Oktoberfest eröffnet. Reini schaut nervös auf die Uhr. Der Stammtisch ist immer noch nicht mit der Brezn-Lieferung erschienen. Da poltert es plötzlich laut an der Tür. Hintern voran und mit dem Ellbogen die Tür öffnend, schiebt sich Luis mit einem großen Karton in den Händen in die Gaststube. Keuchend folgen ihm die Männer vom Stammtisch zum Wirten. „Du, Reini!“, raunt Luis dem Wirten zu. „Uns ist was passiert!“ Zögernd und mit unglücklichem Gesichtsausdruck öffnet der Aushilfe-Bäcker die Schachtel.

Als der Wirt hineinschaut, erkennt er im ersten Moment gar nicht, was er da gerade vor sich hat. Langsam greift er in den Karton und nimmt einen kleinen braunen Gegenstand heraus. „Hmmmm“, meint Reini. Die „Brezn“ ist eigentlich ein Brezerl – kaum größer als eine Zwetschge, sieht sie aus wie eine kleine flache Acht. Der Wirt beißt ins Gebäck und beginnt prüfend zu kauen. Nach ein paar Sekunden hellt sich seine Miene auf und er beginnt zu lachen.

Er fasst Luis an der Schulter und ruft ins Gastzimmer:„Liebe Oktoberfestfreunde und Bierfans! I bin froh, dass ihr alle da seid und dass ich euch heute was ganz Besonderes vorstellen darf.“ Erwartungsvolle Gesichter wenden sich dem Wirten zu. Er greift in den Karton und hält ein Brezerl in die Luft. „Meine Burschen vom Stammtisch haben sich in der Backstube für mich voll ins Zeug gelegt und eine neue … ähm … Oktoberfestspezialität kreiert! Darf ichvorstellen: der Neunkirchner Achter, klein aber oho!“

Der Neunkirchner Achter - Wurst

Lachend und Beifall klatschend scharen sich die Gäste um den Karton und bewundern die Backneuheit. Die Stammtischrunde grinst etwas verlegen.
Als die ersten Weißwürste an die Tische gebracht werden, kommt der Wirt zum Stammtisch und lächelt verschmitzt in die Runde. „Guat is’ gangen, Burschen! Mei Mama hat immer schon g’sagt, man soll die kleinen Dinge im Leben genießen. Und wehe, die Brez’n schauen nächstes Jahr anders aus! Die Leute sind ganz narrisch drauf!“

Und so wurde aus einem Missgeschick das Trend-Gebäck des Jahres. Und wer weiß – vielleicht setzt es sich ja in der einen oder anderen Bäckerei in Österreich durch.

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