Der Bär am Jägerball
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50 Jäger, ein Bär und der tapferste Wirt aller Zeiten

Geschrieben am 1. Dezember 2015

„Da haben’s g’standene Jägersleut auf einmal mit der Angst zu tun bekommen“

Fast jedes Kind kennt die Geschichte vom Bären am Jägerball. Nur die wenigsten wissen, dass vor nicht allzu langer Zeit tatsächlich ein junger Schwarzbär den Jägerball im Wirtshaus „Wilde Goas“ besuchte.

Wie jedes Jahr gingen die Jäger den Waldweg zur „Wilden Goas“ zu Fuß. So hatten sie es beim ersten Jägerball gemacht. Und Tradition war den Männern wichtig. Außerdem war der gemeinsame Marsch zu der entlegenen Gaststätte am Berg die schönste Art, sich auf einen unvergesslichen Abend einzustimmen.

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Der alte Wirt erwartete sie in der Stube des Gasthauses. Es lag nicht nur am gut geheizten Kamin, dass die Jäger die Kälte der Januarnacht schnell vergessen hatten. Es wurde viel gelacht, noch viel mehr getrunken, und eine Geschichte nach der anderen zum Besten gegeben. Radio Steiermark sorgte für die passende Stimmungsmusik.Nur der Wirt hörte aufmerksam zu als die Musik von den Nachrichten unterbrochen wurde.

„Habts des gehört? Heut um sechs ist der Schwarzbär aus’m Alpenzoo obghaut.“

Kurz war es still im Raum. Dann wuchtete der alte Karl sein Bierglas auf den Tisch und sagte: „Des is net unsere Sach’, net heut Nacht. Die Feuerwehr soll sich drum kümmern.“ „Anrufen können´s uns eh nicht“, sagte der Wirt und lachte. Schließlich war die „Wilde Goas“ nicht nur für ihre köstlichen Wildgerichte bekannt, sondern auch für ihren schlechten Handyempfang.

Einige Stunden später. Im Raum war gerade eine heftige Diskussion über die neue Downhillstrecke am Berg im Gange als der junge Reidinger die Tür zur Stube aufriss: „A Bär! Draussen! A Bär! Vor der Tür!“ Auch wenn sein Urteilsvermögen schon zu wünschen übrig ließ, hatte er Recht. Fünfzig Augenpaare, die kurz darauf durch die Fenster in die dunkle Nacht starrten, sahen einen aufgerichteten Schwarzbären, der auf der Terrasse an der Eingangstür des Wirtshauses scharrte.

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Das war selbst für gestandene südsteirische Jäger ein ungewohntes Bild. Kaum einer hatte jemals einen Bären in freier Wildbahn gesehen. Normalerweise lauerten sie Tieren auf, doch nun stand ein sonst scheues Wildtier vor der Tür und lauerte ihnen auf. Was nun?

Die Gewehre der Jäger waren ungeladen. Seit einem unschönen Streit bei Schweizer Kollegen in den Achtzigerjahren war es ungeschriebenes Gesetz, dass Munition bei Zusammenkünften der Jägerschaft verboten war. Das galt erst recht für Bälle.

„Oiso i geh da net raus“ sagte der alte Karl.

„I a net“ stimmte der Reidinger ein. Die Jäger blickten auf den Wirten. Doch auch er schüttelte den Kopf. Der Huber Max griff zu seinem Handy. „Da wirst keinen erreichen“, erwiderte der Wirt. Die Jäger machten lange Gesichter. Hinaus wollte niemand. Aber nach Feiern war ihnen auch nicht. Das Scharren des Bären wurde lauter.

Angst vorm Bär

Schließlich bewies der Wirt kühlen Kopf und ging in die Vorratskammer. Als er zurück kam, hielt er einen Eimer in der Hand. „Vielleicht mag der Bär ja die Innereien vom Bock, den du g’schossen hast“ sagte er zum Reidinger. Er öffnete blitzschnell das Fenster und warf den Eimer hinaus in die Nacht. Die Jägerschar versammelte sich gespannt am Fenster.

Der Bär zuckte kurz zusammen. Dann lief er zum Eimer und steckte neugierig seine Schnauze hinein. Es war nicht zu übersehen: Der Bär hatte einen Bärenhunger. Sein Kopf verschwand zur Gänze im Eimer. Es war der Wirt, der der Stille ein Ende setzte. Er sagte: „Ich hol Hilfe.“ Er verließ die Stube durch die Hintertür und rannte so schnell er konnte den Waldweg bergab Richtung Dorf.

Der Bär bewegte sich mittlerweile mehr rollend als gehend vorwärts. Schließlich stieß er an einen Baum. Als würde ihm das plötzliche Hindernis Sicherheit geben, richtete er sich an dem alten Nussbaum auf und kletterte hinauf. In der Krone des Baumes angekommen, klammerte er sich an einem Ast fest.

Als zwei Stunden später endlich der Wirt mit 6 Wärtern des Alpenzoos zum Wirtshaus zurückkam, saß das verängstigte Tier immer noch auf dem Baum. Mittlerweile hatten sich auch ein paar Jäger aus der Stube getraut und schauten den Wärtern dabei zu, wie sie den Bären betäubten und ihn vom Eimer befreiten.

Klar, dass Jäger, Wärter und Wirt noch bis spät in die Nacht feierten. Auch heute wird die Geschichte vom hungrigen Schwarzbären am Jägerball noch erzählt. Dass nicht die tapferen Jägersleut, sondern der Wirt Held des Tages war, bringt auch heute noch Jung und Alt zum Lachen.

Was aus dem Bären wurde? Die Jägerschaft übernahm seine Patenschaft. Und wenn der Bär seither an jedem Jahrestag des Jägerballs eine Extraportion Rehfleisch bekam, war eines sicher: nicht in einem Eimer.

Und? Seid ihr auch so mutig wie der Wirt? Seid ehrlich und schreibts uns in die Kommentare!

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