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Die größte Freistil-Kapelle Österreichs

Geschrieben am 30. Oktober 2015

„Eigentlich hätten wir Eintritt verlangen müssen.“

Der Wirt vom Gasthaus Weitzer in Bad Eisenkappel wusste, dass es an diesem Abend voll werden würde. Viele Konzertbesucher würden später zu ihm kommen. Dass sein Wirtshaus zu einem Konzertsaal werden sollte, hatte er nicht geahnt.

An diesem Abend war es lange ruhig gewesen im Weitzer. Vier Tage hatte es durchgeregnet und die Gäste ließen auf sich warten. Zum Glück stand wie jedes Jahr ein großes Konzert im Ort an und wer zum Konzert geht, geht schließlich danach nicht einfach heim.

01_Lokal

Doch dann plötzlich und viel zu früh: mit großem Getöse stürmten 6 Mitglieder des Bad Eisenkappler Musikvereins ins Wirtshaus. „Was ist denn mit euch? Habts ihr heuer schneller gespielt?“ Der Wirt schaute die Musiker in ihren triefend nassen Uniformen verdutzt an. „Nix war mit Musik! Das Konzert ist ins Wasser gefallen. Schließ schon mal ein zweites Fass an.“

Der Leiter des Musikvereins schaute wütend aus. Klar, das Konzert am Dorfplatz wurde schon drei Mal wegen des Wetters verschoben und nun das. Darum hatte die Kapelle kurzen Prozess gemacht und das versammelte Publikum aufgefordert: „Kommt mit uns rüber zum Wirten.“

02_Regenschirm

Tatsächlich, nach und nach kamen immer mehr Konzertbesucher in Regenjackerl und mit Schirmen bewaffnet zur Tür hinein. Es dauerte nicht lang, da war das kleine Wirthaus voll besetzt. Sicher 50 Leit’ saßen dicht beieinander an den Tischen. Der Wirt und seine Kellner hatten alle Hände voll zu tun, die vielen Menschen zu bedienen.

„Und? Was ist jetzt mit der Musik?“ Einer der Gäste wandte sich an den Kapellmeister. Der schaute sich um, suchte nach seinen Musikern. Die schauten ihn wiederum ratlos zurück. Alle Instrumente waren fein säuberlich im Gemeindehaus verstaut. Sie sollten nicht nass werden und wurden vorsorglich weggesperrt. „Buuuhhh!!!“ riefen einige der Gäste. „Ist eh schon spät, lass uns heim gehen“ – andere Gäste zogen ihre Jacken an und suchten ihr Kleingeld zusammen, um zu bezahlen.

„HALT!“ – Der Wirt vom Weitzer bekam das mit und schmiss sich in die Menge. „Ich hab noch eine Gitarre und eine Trommel hinten im Lager.“ Der Wirt selbst hatte lange Jahre selbst beim Musikverein gespielt und seine Instrumente seit dem nicht mehr ausgepackt. Gemeinsam mit zwei Vereinsmitgliedern suchte er im Lager die Instrumente zusammen. In einer Kiste weit oben im Regal fanden sie sogar noch eine verstaubte Trompete.

03_Blasmusik

Drei der Musiker schnappten sich die Instrumente und legten unter Anleitung des Kapellmeisters im Gedränge der Gäste sofort los. Weil einige Gäste das Lied erkannten, sangen sie gleich mit. Andere trommelten auf den Tischen den Rhythmus mit. Wieder andere pfiffen und summten mit. Urplötzlich wollte keiner mehr gehen.

Lied für Lied füllte sich der Raum immer mehr mit Musik. Egal, ob Musiker oder Gast, alle spielten gemeinsam, prosteten sich zu und hatten einen Riesenspaß. Um 2 Uhr in der Früh hörte man die größte Freistil-Kapelle Österreichs immer noch in ganz Bad Eisenkappel.

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