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Ein Valentinstag mit Überraschung

Geschrieben am 14. Februar 2017

Früher hamma das nie gfeiert, warum jetzt anfangen mit dem Schmarrn.

In so einem kalten Februar wie heuer sitzen die Leute ja gern beim Gustl in der Wirtstube. Der alte Kachelofen ist gut geheizt, gemütlich ist’s, nur die Gäste bleiben heute irgendwie aus. Gustl denkt da nicht groß drüber nach, aber wenn der wüsste, was sich der Stammtisch für ihn überlegt hat, hätt er sich heute wohl fesch hergerichtet. Der Grund fürs Fernbleiben der Stammgäste liegt nämlich nicht am Wetter, sondern daran, dass eine Überraschung für den Wirten geplant ist!

Der Gustl ist schon bekannt dafür, dass er mit dem Valentinstag nicht so besonders viel anfangen kann. Er ist mit Herz und Seele Wirt und bis jetzt hat sich keine Frau gefunden, die es mit einem Vollblutgastronomen wie ihm aufnehmen kann. Das betont er immer und immer wieder gerne, wenn ihn die Stammgäste mit seinem Singledasein aufziehen wollen. In letzter Zeit haben die Gäste nämlich den Verdacht, dass es der Gustl vielleicht doch nicht so leicht hat allein. Als der Ernst mal im Spaß nach dem Preisschnapsen vorgeschlagen hat, man könnte doch mal eine Valentinstagsparty für die Singles im Dorf veranstalten ist der sonst eher ausgeglichene Gustl fast ein wenig angerührt geworden und hat gemeint: „Sicher nicht in meinem Wirtshaus. Früher hamma das nie gfeiert, warum jetzt anfangen mit dem Schmarrn.“ Nach kurzem Hin und Her war fast allen, die dabei zugehört haben und den Gustl schon ein bisschen länger kennen klar: Der Gustl ist schüchtern, drum wehrt er sich so gegen Verkuppelungsversuche und Andeutungen über eine Wirtin in spe.

„Da müssma was machen“, das war allen klar.

Schnell fallen den Männern Kandidatinnen ein, aber so richtig einig wird man sich nicht. Jeder hat seine Meinung und seinen Geschmack: natürlich kommt man auf keinen grünen Zweig. Aber auch da ist schnell Abhilfe geschaffen: ein großes Fest muss her. Fast jeder kennt eine, die er persönlich einlädt und die anderen durchforsten die Kontaktanzeigen. Manch Skurriles ist da dabei, es gibt halt für jeden Topf irgendwo einen Deckel, beschwichtigt ein Gast. Marko schupft dann vor lauter Freude fast den Sessel um, als er aufspringt und den anderen das Tinder-Profil zeigt, dass er für den Gustl angelegt hat – Gastwirt sucht Frau ist seine Bildunterschrift. Keine Frage, die Richtige werden sie gemeinsam schon finden. „Und wir laden’s dann alle am Valentinstag zum Gustl ins Wirtshaus ein!“.

Der Gustl hat natürlich keine Ahnung davon, als sich am Nachmittag des 14. Februars das Lokal spät aber doch füllt. Aber nicht mit seinen Stammgästen. Fast nur Frauen sitzen da! Alle fesch hergerichtet! Aber warum schauen die immer so nervös auf ihre Handys? Dem Gustl wird das fast schon ein bisschen unheimlich zumute bis endlich die Jungs vom Stammtisch auftauchen. „Du hast ja fesche Gäst heute!“. Gustl zuckt mit den Schultern und grinst spitzbübisch. „Das sind deine Blind-Dates!“, verlautbart der Ernst der verdatterten Runde. Da muss der Gustl erst mal schlucken, während der Didi meint: „Jetzt musst dich halt schon entscheiden. Nicht, dass die Verehrerinnen die erste Rauferei seit Jahren im Wirtshaus anzetteln wegen dir!“.

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