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Einmal Eintopf für 60 Leit’, bitte!

Geschrieben am 28. Oktober 2015

„Als auf 1500 Metern der Jahrhundertschneefall kam, samma im Speisesaal z’sammgeruckt.“

Weihnachtsferien in der Kärntner Ferienpension Koralpe. Als sich die ersten Gäste auf der schmalen Landstraße näherten, wusste noch niemand, dass es bald kein zurück mehr geben würde.

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Der erste Ferientag begann lustig und ausgelassen. In der Früh trafen sich alle Gäste im großen Speisesaal zum Willkommensfrühstück. Im Radio hörte man schon die Ansage: „Heut’ wird’s wieder schneien, also wachst schon mal die Ski.“ Voller Vorfreude starteten alle Gäste nach dem Kaffee auf die Piste, um die ersten Schwingen in den Schnee zu ziehen.

Es hat keine vier Stunden gedauert, da waren sie schon wieder zurück in der Pension. Das Schneetreiben wurde nämlich immer stärker. Zu sehen war kaum mehr was auf den Pisten. Also entschloss man sich nach einer kurzen Pause, gemeinsam ein Bierchen zu trinken, Gesellschaftsspiele auszupacken und den Rest des Tages im Warmen zu verbringen.

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„Jetzt wird geschnapst rief einer der Stammgäste. Weils so lustig war, schlossen sich gleich andere Gäste an. So saßen mit einem Mal Holländer, Ungarn und Italiener gemeinsam am großen Tisch. Mit Händen und Füssen verstand man sich.

Alle hatten riesigen Spaß, tranken ihr Bier und freuten sich des Lebens. Draußen schneite es sich immer mehr ein. „Morgen, da gehen wir alle gemeinsam raus mit die Skier. Nach dem Schneetreiben werden die Pisten herrlich sein“, rief einer der Stammgäste und alle prosteten sich zu. Gegen Mitternacht legte sich schließlich auch der letzte Gast voller Vorfreude zur Ruhe.Was keiner ahnte: über Nacht hat ein Jahrhundertschneefall eingesetzt.

Die müden Augen der Gäste konnten nicht glauben, was sie sahen als sie aus dem ersten Stock vom Balkon aus auf den Parkplatz blickten. Alle Autos waren weg, versunken in unfassbaren Schneemassen. Im gesamten unteren Stock waren die Türen versperrt. Drei Meter Schnee waren über Nacht gefallen. Der Schneepflug aus dem Tal ließ auf sich warten. Stunde um Stunde verging. Es gab kein Entkommen.

Das ärgste an der Lage: die Gäste hatten nicht genug Verpflegung mit sich da sie erst am Montag nach der Anreise einkaufen wollten. Das Lager vom Lokal im Nebengebäude war zugeschneit und so war auch der Wirt machtlos. „Was essen wir denn jetzt?“ Mit jeder Stunde, die ins Land strich, wurde das Magenknurren lauter.

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Am späten Nachmittag setzten sich schließlich einige der Gäste mit dem Wirt zusammen und beratschlagten sich. „Lassts uns alles, was noch an Lebensmitteln da ist, z’sammtragen und einen Eintopf kochen“ schlug schließlich der Wirt vor. Holländer, Ungarn, Italiener und Österreicher legten ihre Reserven auf den großen Küchentisch. Bohnen, ein bisschen Fleisch, Karotten und noch einiges mehr häufte sich zu einem kleinen Berg an.

Zusammen mit zwei Gästen bereiteten die Köchinnen schließlich den größten und außergewöhnlichsten Eintopf zu, den Kärnten je gesehen hatte. Um 16 Uhr trafen sich dann alle 60 Gäste mit dem Hauspersonal im Speisesaal. Schnell waren die Sorgen vergessen. Das Magenknurren wurd vom gemeinsamen Lachen vertrieben.

Es dauerte noch viele Stunden bis endlich der Schneepflug bei der Pension ankam und die Gefangenen befreite. Um 11 Uhr am Abend stoßen schließlich alle mit Glühwein und Bier am frei geschaufelten Parkplatz an.

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