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Leerstund is

Geschrieben am 10. März 2017

„Und dann stehst vor’m Nix…“

Beim Dorfwirt in Klienling kommt so einiges zusammen: jung, alt, sportlich, gemütlich, rastlos, rastend – bei Gernot kehrt man einfach gerne ein. Allen voran die vielen unterschiedlichen Vereine aus der Umgebung. Das sieht man auf den ersten Blick. Auf jedem Regal stehen Pokale und Wimpel. Die Wände sind tapeziert mit Meisterschaftsfotos und Urkunden.

Dass Gastwirt Gernot damit nicht nur Freude hat, wissen seine Stammgäste schon seit langem. „I waß net, wo i no’ hinsoll mit dem Kram“, sagt er immer, wenn etwas Neues dazukommt. „Wegschmeißen tuast eh nix“, entgegnet Stammgast Maxl dann. Und damit hat er Recht. Statt Meisterschaftsurkunden aus den 80ern und ähnlich antiquierte Überbleibsel wegzuwerfen, räumt Gernot alles in sein Hinterzimmer. Das ist mittlerweile bis zur Decke vollgestopft.

„Was I mit dem Raum alles anstell’n könnt’…“ Kopfschüttelnd schließt Gernot die Tür nachdem er wieder einen Uralt-Pokal verstaut hat. Es ist Samstagabend. Am Stammtisch sitzen Maxl und seine Freunde. Nicht zum ersten Mal scherzen sie über die Unentschlossenheit ihres Lieblingswirts: „Bald brauchst’ ein größeres Gasthaus!“ Gernot ist nicht zu Lachen zumute. Er setzt sich zu seinen Stammgästen und gönnt sich mit trüber Mine einen Schluck von Maxls Bier.

„Heast, Gernot, lass den Kopf net häng’n!“

Maxl klopft Gernot auf die Schulter. „Wir lassen uns was einfall’n.“ Gernot schaut Maxl ungläubig an. „Mach du mal einen g’scheiten Urlaub und wir kümmern uns um das Problem. Wir machen einen Winterschlussverkauf. Dann hast endlich wieder Platz!“ Erst drei Stunden später gelingt es den Stammgästen ihren Wirt zu überzeugen. Kurz vor der Sperrstunde gibt Gernot nach: „I verlass mi’ auf eich!“

Gernot hält Wort. Am drauffolgenden Samstag packt er die nötigsten Dinge zusammen, übergibt Maxl den Schlüssel zum Gasthaus und bricht auf zu seinem wohlverdienten Kurzurlaub. Während seine Burschen in Klienling alles vorbereiten für den großen Gasthaus-Winterschlussverkauf, schaltet Gernot in einer nahegelegenen Therme ab. Drei Tage lang tut er nichts anderes. Entspannung, Entspannung und nochmal Entspannung.

Als er am Montagabend im Zug sitzt, ruft er mit einem zufriedenen Grinsen Maxl an: „In einer halben Stund’ bin I daham. Treffn’ ma uns am Gasthaus?“ Maxl reagiert nicht. „Maxl?“ – „Jo, treffn’ ma uns. Aber sei net bös’.“ Bös? Gernot fragt nicht nach, was Maxl damit meint. Vielleicht ist ja irgendwas zu Bruch gegangen beim Wintersschlussverkauf? Wie falsch Gernot liegt, merkt er erst, als er die Tür zu seinem Gasthaus öffnet.

Leer. Alles weg.

Gernot lässt seine Reisetasche fallen. Seine Kinnlade klappt runter. Er schaut sich um. In seiner Gaststube ist nichts mehr außer der Theke, ein paar Gläsern, drei Bildern und zwei Sesseln. Und Maxl, der mit nüchterner Mine auf den Boden schaut. „Du, I hab nix mehr tun können. Am Sonntag hab i den Fredl allein lassen müssen und der hat’s a bissl zu gut gemeint mit dem Verkaufen…“
Gernot setzt sich auf einen der beiden Sessel. „Na servas! Und was tu I jetzt? Nächste Woche ist doch Frühlingsfest.“ Maxl setzt sich neben Gernot. Jetzt ist guter Rat teuer.

FORTSETZUNG FOLGT

Schau nächste Woche Mittwoch wieder hier am Blog vorbei. Werden Maxl und seine Freunde das Frühlingsfest vom Klienlinger Dorfwirt noch retten?

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