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Ohne Schweinderl zum Weihnachtsglück

Geschrieben am 24. Dezember 2015

„Wie des Geld weg war, hab I g’dacht, des wird des schlimmste Weihnachten aller Zeit’n.“

Jeder kennt den alten Gerhard vom Wirtshaus „Postwirt“. Jeder in Sieghartskirchen weiß, dass Gerhard eine durch und durch gute Seele ist. Dass seine Gutmütigkeit und Großzügigkeit ausgerechnet zu Weihnachten auf die Probe gestellt werden würde, hätte vermutlich keiner gedacht.

Gerhard liebt Weihnachten. In seinem Wirtshaus schmückt er schon lang vor allen anderen die Fenster mit bunten Lichterschlangen. Bei ihm läuft „Last Christmas“ schon Mitte Oktober. Der Wirt liebt das Fest der Liebe schon seit seiner Kindheit. Am meisten Freude macht ihm noch heute das Schenken.

Jeder in der kleinen niederösterreichischen Gemeinde weiß, dass Gerhard besonders spendabel ist, wenn Weihnachten näher rückt. Das kleine hellblaue Sparschwein auf Gerhards Theke kennen die Stammgäste natürlich auch schon seit Jahren. Gerhard stellt es jedes Jahr auf, wenn der erste Lebkuchen im Supermarktregal aufscheint.

Wie jedes Jahr hatte Gerhard auch dieses Jahr seine Gäste immer wieder lieb um eine kleine Spende gebeten. Das Geld hatte er auch heuer wieder dem Gemeindeverein geben wollen, die sich im Ort darum kümmern, dass auch die Mitbürger ein kleines Geschenk bekommen, die es sich sonst eigentlich nicht leisten können. Bei einer kleinen Vorweihnachtsfeier in seinem Wirtshaus wollte Gerhard gemeinsam mit den Gästen das Sparschwein schlachten und feiern. Wie immer war Gerhard bestens vorbereitet. Als er am Tag seiner Vorweihnachtsfeier den „Postwirt“ aufsperrte, fiel Gerhard direkt auf, dass Unordnung ist. Irgendwer war hier.

„Zu fehlen scheint nichts…“

Gerhard machte sich daran, aufzuräumen. Erst beim letzten Handgriff fiel ihm schließlich auf, dass sein Spenden-Sparschwein zerschmettert über den Tresen verteilt lag. Das ganze Geld war weg. Gerhard setzte sich an den Tresen und schaute auf die Splitter von seinem Sparschwein.

Sparschwein Postwirt

Der Tag verging und schließlich trudelten die ersten Gäste zur Vorweihnachtsfeier ein. Gerhard versuchte gute Mine zu bösem Spiel zu machen. Er ließ sich nichts anmerken. Schließlich waren alle schon in fröhlich beschwingter Weihnachtsstimmung. Als es dann so weit war und die ersten Gäste Gerhard nach dem heurigen Spendenerlös fragten, wurde Gerhard still. „Was is’, Gerhard?“ rief einer der Gäste. Schweren Herzens gestand Gerhard, was passiert war.

Kurz war Stille im Raum. „Ge, mach dir nix draus, Gerhard.“ Einer der Stammgäste klopfte Gerhard auf die Schulter. Obwohl Gerhard gar nicht zum Feiern war, schenkte er weiter Bier aus. Der Stimmung hatte die schlechte Nachricht keinen Abbruch getan.

Am nächsten Tag war Gerhard immer noch unglücklich. Trotzdem ging er zu der kleinen Weihnachtsfeier vom Verein, dem er eigentlich seine Spende überreichen wollte. Viele Leute waren da. Gerhard schüttelte Hände und versuchte so gut es ging, zu lächeln. Ein paar Geschenke und Spenden waren auch trotz Gerhards Sparschwein zusammengekommen. Wirklich besinnlich und feierlich fühlte sich das Ganze für Gerhard aber nicht an.

Als die Weihnachtsfeier fast zu Ende war, klopfte es an der Tür des Vereinsheim. Herein kamen 5 von Gerhards Stammgästen, voll beladen mit herrlich verpackten Geschenken. „Gerhard, schau, was wir zusammenbekommen haben!“ Einer von Gerhards Stammgästen strahlte übers ganze Gesicht. Er hatte noch in der Nacht mit vielen der anderen Gäste gesprochen und viele kleine und große Sachspenden gesammelt und verpackt. Gerhard war überglücklich. „Wisst’s was? Nächstes Jahr gibt’s kein Schweinderl. Dann tragen wir die Geschenke gleich bei mir im Kammerl zusammen.“

Geschenkekammerl

Auch heute noch gibts das Geschenkekammerl im „Postwirt“. Immer, wenn die ersten Lebkuchen im Supermarktregal stehen, sperrt Gerhard das Schloss auf und freut sich auf die Geschenke der besten Gäste, die ein Wirt sich wünschen kann.

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