Facebook Geburtstag
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So einen 18. Geburtstag hat Wildon noch nie gesehen

Geschrieben am 28. Dezember 2015

“Wie mir mein Bua dieses Facebook gezeigt hat, hätt’ ich ihm am liebsten den Hals umgedreht!”

Der Wildoner Dorfwirt hat sich nie besonders für das Internet interessiert. Dass er ausgerechnet wegen Facebook fast sein Wirtshaus zusperren musste, bringt ihn heute zum Lachen.

Glücklicherweise fällt Pauls Geburtstag in diesem Jahr auf einen Samstag. Der ideale Wochentag, um den 18. Geburtstag zu feiern. Der Sohn des Dorfwirts überzeugt seinen Vater, den Festsaal seines Wirtshauses für die Party zur Verfügung zu stellen. Paul plant einen ausgelassenen Abend mit seinen Freunden. Man wird schließlich nur einmal achtzehn.

Um sicherzugehen, dass alle Freunde rechtzeitig von der Geburtstagsfeier erfahren, erstellt Paul ein Event auf Facebook. “Brauch ich nicht alle einzeln anzuschreiben”, denkt er sich. Bereits Sekunden später erhält der 17-jährige die ersten Zusagen. Sein Herz schlägt ihm bis zum Hals als er bemerkt, dass er sogar von seiner Klassenkollegin Johanna ein “Gefällt mir” bekommt. “Dann kann ja gar nix mehr schiefgehen”, freut er sich und widmet sich zufrieden den weiteren Vorbereitungen.

Am Tag vor der Feier stehen noch Speis und Trank auf der ToDo Liste. Paul macht sich auf den Weg zur Mutter in die Küche und bittet sie um Unterstützung. Selbstverständlich lässt sie es sich nicht nehmen, für die Feier ihres Sohnes ein Festmahl vorzubereiten. “Aber um die Getränke kümmere ich mich nicht“, ruft sie Paul aus der Küche noch hinterher.

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind, beschließt Paul auf Facebook nachzusehen, wie viele Zusagen er bereits bekommen hat. Nach dem Klick auf das Event trifft ihn fast der Schlag: 2.179 angenommene Einladungen! “Oweh…“ Mehr kommt ihm nicht über die Lippen.

“Was ist denn dir über die Leber gelaufen?”, fragt der Wirt seinen kreidebleichen Sohn.

“Ähm… ich glaub, wir müssen den Getränkelieferanten noch einmal anrufen”, sagt Paul kleinlaut. “Ach geh, jetzt willst du mir erklären, wie man die paar Trangl für euch Halbstarke kalkuliert?!” – “Nein Papa, aber es kommen ein paar mehr Leute als gedacht”, Paul hält seinem Vater das Smartphone unter die Nase.

“Ja Kruzifix. Das kann ja nicht dein Ernst sein!” dem Wirt fällt die Kinnlade hinunter. Nach einer kurzen Stille, die Paul wie eine Ewigkeit vorkommt, stürmt der Vater aus dem Wirtshaus. Paul eilt ihm hinterher. Niemand verliert ein Wort, bis Paul bemerkt, dass sein Papa direkt auf die Polizeiinspektion ein paar Straßen weiter zuläuft.

Vater und Sohn

“Halt! Was hast du vor?”, beendet er die Jagd durch den Ort. “Ja was glaubst du denn? Ich muss mein Wirtshaus vor zweitausend Facebook-Randalen beschützen.” Paul kann nicht glauben, dass sein Vater alles absagen will. Er versucht ihn umzustimmen, doch die Diskussion ist zwecklos. Der Wirt betritt lautstark das Polizeigebäude und Paul dreht wortkarg um.

Traurig verzieht sich Paul in sein Zimmer. So schön hätte es werden können. Er stellt sich seinen perfekten Partyabend vor – mit seinen Freunden, und mit der Johanna. Ohne seine vier Wände an diesem Abend noch einmal zu verlassen, schläft er ein.

Der nächste Tag beginnt wie die meisten Samstage. Paul schläft lange, Seine Mutter weckt ihn rechtzeitig zum Mittagessen. Obwohl es der 18. Geburtstag des Sohnes ist, gesellt sich der Vater nicht zur Familie. Dass ihm die Mutter extra Bluttommerl gekocht hat, tröstet ihn ein wenig. Trotzdem verbringt er den Nachmittag immer noch niedergeschlagen in seinem Zimmer. Bis es an seiner Türe klopft.

“Keiner da” antwortet Paul z’wieder. “Das hört sich aber anders an”, ertönt eine Frauenstimme. Johanna steht in der Tür und grinst. Mit einem Satz steht Paul aufrecht und völlig perplex mitten im Raum. “Komm, ich zeig dir was.“ Die beiden verlassen das Wirtshaus schlendernd Richtung Ortsende.

Ohne zu überlegen folgt Paul seiner Angebeteten, bis sie plötzlich vor einem riesigen Zelt stehen. Der Wirtssohn ist verwirrt: “Was ist denn da los?”. “Komm einfach mit”, fordert Johanna ihn auf. Als sie eintreten rufen hunderte Gäste im Chor “Happy Birthday” und der Wildoner Musikverein spielt ein Geburtstagsständchen. Der Wirt kommt voller Freude auf seinen Sohn zu und umarmt ihn: “Na Bua, damit hast nicht gerechnet, was?”

“Ich hab auf der Polizei den Bauer Karli getroffen und ihm von deinem Facebook-Schlamassel erzählt.“ Der Wirt strahlt übers ganze Gesicht. „Und stell dir vor, der war überhaupt nicht schockiert. Ganz im Gegenteil! Der hat mir gleich sein Feld und das Partyzelt angeboten. Die halbe Nacht haben wir gemeinsam gewerkt.” Paul kann sein Glück kaum fassen. Überredet der Bauer doch glatt seinen Vater zu einer Geburtstagsfeier mit über 2.000 Gästen, von denen er selbst nicht einmal die Hälfte kennt.

Dorfparty

Paul schmeißt sich ins Getümmel und lässt sich so richtig hochleben. Der gesamte Musikverein, die Nachbarn und Freunde tragen dazu bei, dass der junge Wirtssohn einen unvergesslichen Start ins Erwachsenenleben erlebt. Woran sich der glückliche Paul auch ewig erinnern wird, ist der erste Tanz mit seiner Johanna. “Na, du Tschoppal? Die Überraschung ist deinem Papa gelungen, was?” Sie schaut ihm während des Lamourhatschers in die Augen.

Stell dir vor, einer deiner Freunde kündigt versehentlich eine private Feier öffentlich auf Facebook an. Würdet ihr ihm ebenso ein rauschendes Fest organisieren? Erzähl es uns in den Kommentaren!

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